Doro Carl: TRANSIT EXIL

Videoinstallation auf dem Arno-Schmidt-Platz (vor der Zentralbibliothek), Hamburg

Eröffnung 17. Juni 2016, 18 Uhr, Einleitung Claudia Reiche

Ausstellung

18. Juni - 3. Juli, Öffnungszeiten 15 - 20 Uhr

 

Ein Container ist auf dem Arno-Schmidt-Platz vor der Zentralbibliothek Hamburg aufgestellt. Eine Türöffnung in der Längsseite führt in das bewegte Halbdunkel einer Videoprojektion. Stimmen sind zu hören: von Personen, die zur Kamera blicken und von ihren Erfahrungen in Deutschland, ihren aktuellen Befürchtungen und Hoffnungen sprechen. Was die einzelnen Sprechenden vereint, ist, dass sie geflohen sind, schon vor Jahrzehnten oder erst wenigen Monaten - mit Deutschland als Zielpunkt oder Übergangszone. Krieg und Tod, politische Verfolgung, Folter und Entrechtung werden eher angedeutet, ebenso die Wechselfälle der Flucht. Die nacheinander präsentierten einzelnen Erzählungen kreisen vielmehr um den Ort eines Jetzt in individueller Zustandsbestimmung.

 

In der Container-Installation wechseln die an den Stirnseiten projizierten Aufnahmen der Portraitierten aus Afghanistan, Iran, Irak, Syrien und anderen Ländern mit Bildern vom Himmelsszenen, Wolken und Lichtstimmungen. Ähnlich dem Fluchtpunkt, erzeugt von der Geometrie der Kameraoptik, kann ein anderer Schnittpunkt sich aus dem Erzählten, den Stimmen, Blicken, Gesten rekonstruieren: die Linien der einzelnen Erzählungen schneiden sich im (vorläufigen) Entkommen-Sein aus Todesgefahr. Ruhige Bilder vor monochromen Hintergründen schaffen für die Betrachtenden eine Situation, die den gängigen Reflex einer Verteidigung eines Innen gegen ein Außen unterbrechen kann. Im beengten Container bringen die berichteten Erfahrungen, die oft von Mut, Verantwortungsbewusstsein und Hoffnung unter schwierigsten Bedingungen zeugen, eine neue Weite. Vielleicht ist Außen Innen?

 

Die Filmemacherin und Künstlerin Dorothea Carl erzeugt mit TRANSIT EXIL eine psycho-politische Szene eigener Art, in der mit Intensität und Intimität gehört werden kann, was (einstige) Flüchtlinge erzählen wollen. Den Besucher_innen, die zuzuhören verstehen, bieten sich realistische Bestandsaufnahmen der Gegenwart von einer Position, die üblicherweise als die der Ausnahme schlechthin gilt. Wo sind wir jetzt?

 

Mitwirkende u.a.: Jina Alamsha, Sara Alsuleiman Al Nasser, Ibrahim Alsuleiman Al Nasser, Jacklin Arakel, Mohsen Rezai, Mostafa Rezai, Shafiq Hussein Rezai, Heide Sanati,  u.a.

Musik: Peter Imig

Übersetzung: Ali Shibly, Jina Alamsha

Grafik: Eva Riekehof

Webprogrammierung: Nils Hartlef

in Zusammenarbeit mit berlin - raum für videokunst

Gefördert durch:

Freie und Hansestadt Hamburg, Kulturbehörde.

Rudolf Augstein Stiftung

Hanse-Repair Containerreparatur GmbH

 

Weitere Informationen: transit-exil.de

 

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